Mit dem  Erwerb eines Grund­stücks in Erfül­lung eines Ver­mächt­niss­es hat sich der  Bun­des­fi­nanzhof (BFH) in sein­er Entschei­dung vom 29.6.2011 – IX R 63/10 befasst. In diesem Erwerb ist ein teilent­geltlich­er und damit ein im Rah­men der Besteuerung pri­vater Veräußerungs­geschäfte aufteil­bar­er Vor­gang zu sehen, wenn der Ver­mächt­nis­nehmer für den Erwerb des ver­ma­cht­en Gegen­standes eine Gegen­leis­tung erbrin­gen muss, deren Wert die ver­mächt­nisweise Zuwen­dung nicht aus­gle­icht.

Die Mut­ter der Klägerin räumte ihr im Tes­ta­ment das Recht ein, den gesamten Grundbe­sitz zu übernehmen und dafür der Schwest­er der Klägerin einen Betrag von 25 v. H. des Verkehr­swertes des Grundbe­sitzes zu bezahlen.

Da die Klägerin als Miterbin etwas über ihren Erbteil hin­aus zugewen­det bekommt, han­delt es sich nicht um eine Teilungsanord­nung, son­dern um ein Ver­mächt­nis.

Bei ein­er Teilungsanord­nung wer­den die Nach­lass­ge­gen­stände im Rah­men der Erbteile ggf. mit einem Wer­taus­gle­ich verteilt, falls vererbte Gegen­stände wert­mäßig den Erbteil der jew­eili­gen Miter­ben über­steigen.

Der Erwerb von Ver­mö­gen auf­grund eines Ver­mächt­niss­es ist zwar regelmäßig ein unent­geltlich­er Vor­gang. Etwas anderes gilt jedoch dann, wenn der Ver­mächt­nis­nehmer (wie hier) für den Erwerb des ver­ma­cht­en Gegen­standes eine Gegen­leis­tung erbrin­gen muss. Muss der Ver­mächt­nis­nehmer den Wert der Zuwen­dung nicht voll aus­gle­ichen,  liegt ein teilent­geltlich­er Erwerb und somit ein Anschaf­fungs­geschäft vor. Bei ein­er späteren Weit­er­veräußerung ist die zehn­jährige Speku­la­tions­frist zu beacht­en.