Nach der Recht­sprechung des BFH kommt die Abfär­be­wirkung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG auch zur Anwen­dung, wenn der gewerblichen Tätigkeit lediglich eine ger­ingfügige Bedeu­tung zukommt.

Unschädlich soll nur ein „äußerst geringer“ Anteil sein in Höhe von 1,25 v.H. bzw. 2,81 % gewerblich­er Ein­nah­men an dem Gesam­tum­satz (BFH vom 11.8.1999 – XI R 12/98 und vom 8.3.2004 – IV B 212/03).

Die Finanzgerichte (FG) beurteilen die Gren­ze für eine Infizierung unter­schiedlich. Das FG Schleswig-Hol­stein stellt in seinem Urteil vom 25.8.2011 – 5 K 38/08 fest, dass ein gewerblich­er Umsatz von mehr als 5 v.H. am Gesam­tum­satz kein „äußerst geringer“ Anteil i. S. der Recht­sprechung mehr ist. Das FG sieht eben­falls im Gewerbesteuer­frei­be­trag des § 11 Abs. 1 S. 3 Nr. 1 Gew­StG (24.500 Euro) keine geeignete absolute Gren­ze, unter­halb der­er der Anteil der orig­inär-gewerblichen Einkün­fte stets als äußerst ger­ingfügig und damit als unschädlich anzuse­hen wäre. Ganz anders schätzt dies das FG Nieder­sach­sen in seinem Urteil vom 14.9.2011 – 3 K 447/10 ein, indem es den gewerbesteuer­lichen Frei­be­trag als Ori­en­tierung für die Bemes­sung der gewerblichen Einkün­fte ansieht. Gegen bei­de FG-Entschei­dun­gen wurde Revi­sion ein­gelegt (BFH, VIII R 41/11 und VIII R 16/11).

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