Betrof­fen­er Per­so­n­enkreis und Hand­lungs­be­darf

Betrof­fen sind von der Neuregelung für die Wirtschaft­s­jahre 2012 (und fol­gende) sämtliche Land- und Forstwirte, die neben der Ver­mark­tung ihrer Urpro­duk­tion weit­ere Zukauf­sware verkaufen. Durch die For­ten­twick­lung der so genan­nten Hoflade­nurteile haben sich Notwendigkeit­en ergeben, zum 1.1.2012 neue Abgren­zungsregelun­gen einzuführen. Diese hat die Finanzver­wal­tung durch Ver­wal­tungsan­weisun­gen vom 15.12.2011 und 19.12.2011 einge­führt — mit Beginn zum 1.1.2012. Hand­lungs­be­darf beste­ht der­art, dass die bish­eri­gen Abgren­zungskri­te­rien nicht mehr greifen. Eine Neuregelung wurde einge­führt, so dass sich — ganz betrieb­sin­di­vidu­ell — Verbesserun­gen oder auch Ver­schlechterun­gen ergeben kön­nen. Zwin­gend erscheint die Analyse der Betrieb­sstruk­turen auf Basis der Ist-Werte, um mögliche Auswirkun­gen im Vor­feld zu erken­nen.

Fal­lkon­stel­la­tio­nen und Auswege

Neu ist die Ein­führung der unter­schiedlichen Tätigkeits­grup­pen. Dies sind zum einen die Tätigkeit­en “Absatz eigen­er Erzeug­nisse und damit in unmit­tel­barem Zusam­men­hang ste­hende Tätigkeit­en” und zum anderen “Ver­wen­dung von Wirtschafts­gütern des Betrieb­sver­mö­gens für außer­be­triebliche Zwecke und Dien­stleis­tun­gen, die in einem sach­lichen Zusam­men­hang zur Land- und Forstwirtschaft ste­hen”. Für bei­de Grup­pen gel­ten die neuen Abgren­zungskri­te­rien; rel­a­tive Gren­ze: 1/3 des Net­to­ge­sam­tum­satzes, absolute Gren­ze: 51.500 EUR Net­toum­satz aus Zukaufsware/Dienstleistungen. Darüber hin­aus wird eine Gesamt­prü­fung des Umsatzes vorgenom­men (so genan­nte 50 % Gren­ze). Wer­den die Gren­zen über­schrit­ten, beste­ht die latente Gefahr der Umqual­i­fizierung der Einkün­fte aus Land- und Forstwirtschaft in solche aus Gewer­be­be­trieb. Vor diesem Hin­ter­grund hat die Finanzver­wal­tung die zusät­zliche Frage des Struk­tur­wan­dels nochmals konkretisiert. Dies bedeutet, dass eine Umwid­mung zum Gewerbe erfol­gt, sofern die Gren­zen inner­halb von 3 aufeinan­der­fol­gen­den Jahren über­schrit­ten wer­den (allmäh­lich­er Struk­tur­wan­del). Wenn jedoch äußere Anze­ichen einen sofor­ti­gen Struk­tur­wan­del erken­nen lassen (z. B. Anschaf­fung von Maschi­nen, Fuhrpark, o. ä. ohne direk­ten land- und forstwirtschaftlichen Bezug), ent­fällt der 3‑Jahresbetrachtungszeitraum. Fern­er gilt es, auf Mitun­ternehmer­schaften ein beson­deres Augen­merk zu leg­en. Denn durch den gegebe­nen­falls entste­hen­den Gewer­be­be­trieb wird — durch Infek­tion — der gesamte Betrieb als solch­er aus Gewer­be­be­trieb umgewid­met. Hier ist eine — im Gegen­satz zum Einzelun­ternehmer — par­al­lel ver­laufende Betrieb­sstruk­tur aus Land- und Forstwirtschaft und Gewer­be­be­trieb nicht möglich.

Fehler, Aus­lagerung und Ver­mei­dung

Grund­sät­zlich wäre eine Aus­lagerung nicht erforder­lich, da bei Einzelun­ternehmen bei­de Unternehmen neben­her beste­hen kön­nten. Jedoch macht eine Tren­nung dann Sinn, wenn erhe­bliche Betrieb­skosten anfall­en, die ohne eine Tren­nung nicht ohne weit­eres erkennbar wären (z. B. Per­son­alkosten, Raumkosten, Fuhrparkkosten, etc.). Auch vor dem Hin­ter­grund der zutr­e­f­fend­en Abgren­zung von Umsatz- und Vors­teuer­be­trä­gen sowie der Gewerbesteuer kön­nte eine Betrieb­stren­nung Sinn machen. Darüber hin­aus sind Nach­fol­geüber­legun­gen anzus­treben, so dass unter Umstän­den bere­its die nach­fol­gende Gen­er­a­tion einge­bun­den wer­den kön­nte. Die neue Betrieb­sstruk­tur “Gewer­be­be­trieb” muss selb­st­ständig geführt wer­den. Dem­nach sind sämtliche For­malan­forderun­gen an eine ordentliche Betrieb­s­führung zu erfüllen. Dies bedeutet ins­beson­dere die Tren­nung der Geschäfts­büch­er, geson­derte Aufze­ich­nungspflicht­en, Fak­turierung, etc.. Fern­er sind Auswirkun­gen sozialver­sicherungsrechtlich­er Natur zu prüfen. Überdies wären Hür­den der Zuord­nung von Betrieb­sver­mö­gen zu beacht­en. Es emp­fiehlt sich, die Beibehal­ten von ein­er min­destens 10 %igen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung bei Betrieb­s­ge­bäu­den — eine Umwid­mung zum Gewer­be­be­trieb kön­nte so (wenn auch zu Buch­w­erten) ver­mieden wer­den.

Tagged with →