Ker­naus­sage

Mit Schreiben vom 16.5.2012 passt das Bun­desmin­is­teri­um der Finanzen (BMF) im Bere­ich der Besteuerung der Forstwirtschaft seine bish­eri­gen Ausle­gungsregelun­gen an die Änderun­gen des Steuervere­in­fachungs­ge­set­zes 2011 an.

All­ge­meines

Unverän­dert zur bish­eri­gen Recht­slage ist Wald bzw. ste­hen­des Holz dann ein eigen­ständi­ges und getren­nt vom Grund und Boden zu bew­er­tendes Wirtschaftsgut, wenn der ste­hende Baumbe­stand selb­st­ständig nutzbar ist. Inner­halb eines land­wirtschaftlichen Betriebes tritt ein Baumbe­stand nur dann als selb­st­ständi­ges Wirtschaftsgut her­vor, wenn dieser eine zusam­men­hän­gende Fläche von min­destens einem Hek­tar aufweist. Nicht zusam­men­hän­gende Baumbestände stellen entsprechend für sich eigen­ständi­ge Wirtschafts­güter dar.

Bilanzierung

Eben­falls im Grunde unverän­dert bleiben die Regelun­gen zur Bilanzierung des Wirtschaftsgutes Holz, die sich nach der jew­eili­gen Nutzungs­form richt­en. Zu bilanziellen und steuer­lichen Zweck­en ist bei den Nutzungs­for­men zwis­chen dem Kahlschlag und so genan­nten anderen Nutzungs­for­men zu unter­schei­den. Wird ein Baumbe­stand durch einen Kahlschlag gerodet, so wird dieser aus der Gesamtheit des jew­eili­gen Waldes her­aus­gelöst. Infolge dieses Ein­griffs ist das geschla­gene Holz dem Umlaufver­mö­gen zuzurech­nen und der Buch­w­ert des verbleiben­den Baumbe­stands ist um den Umfang des Ein­schlags zu min­dern. Wieder­auf­forstungskosten in Folge des Kahlschlags stellen Her­stel­lungskosten des neu entste­hen­den Baube­standes dar. Erfol­gt die Auf­forstung erst im Fol­ge­jahr, so darf hier­für keine Rück­stel­lung gebildet wer­den. In Abgren­zung zu einem Kahlschlag hat die Ent­nahme einzel­ner, hiebreifer Bäume in der Regel keine Buch­w­ert­min­derung des Gesamtbe­stands zur Folge. Fern­er stellen Aufwen­dun­gen für Pflege und Wieder­auf­forstung sofort abziehbare Betrieb­saus­gaben dar und sind als solche nicht zu aktivieren. Beste­ht eine Verpflich­tung zur Wieder­auf­forstung, so ist gegebe­nen­falls eine entsprechende Rück­stel­lung zu bilden.

Steuer­liche Behand­lung

Änderun­gen auf­grund des Steuervere­in­fachungs­ge­set­zes 2011 ergeben sich ins­beson­dere für die Behand­lung von Wieder­auf­forstungskosten bei der pauschalen Gewin­ner­mit­tlung nach § 51 ESt­DV sowie bei der zeitlichen Anwen­dung der Tar­ifvergün­s­ti­gung im Falle ein­er außeror­dentlichen Holznutzung nach § 34 b EStG.

Pauschale Gewin­ner­mit­tlung nach § 51 ESt­DV

Während bis Ende 2011 die mit ein­er Holznutzung im Zusam­men­hang ste­hen­den Wieder­auf­forstungskosten durch die Pauschsätze nach § 51 ESt­DV (65 % bei Holzein­schlag, 40 % bei Verkauf des ste­hen­den Holzes) abge­golten waren, wer­den diese ab 2012 geson­dert behan­delt. So sind die zur Bes­tim­mung des pauschalen Aufwan­des ange­wandten Pauschsätze auf 55 % bei Holzein­schlag bzw. 20 % bei Verkauf des ste­hen­den Holzes ver­min­dert wor­den, dafür sind die ange­fal­l­enen Wieder­auf­forstungskosten zukün­ftig in ihrer tat­säch­lichen Höhe im Wirtschaft­s­jahr ihrer Zahlung abziehbar. Ana­log hierzu sind im Falle eines Kahlschlages die sich ergebe­nen Buch­w­ert­min­derun­gen und Buch­w­ertabgänge beim Wirtschaftsgut Baumbe­stand ab 2012 geson­dert zu den neuen Pauschsätzen als Betrieb­saus­gaben abzuziehen, während diese bis Ende 2011 eben­falls mit den Pauschsätzen abge­golten waren. Nicht um die pauschalen Betrieb­saus­gaben ver­min­dert wer­den dür­fen Zuschüsse zu Wieder­auf­forstun­gen, da diese Betrieb­sein­nah­men darstellen, die in keinem Zusam­men­hang mit der Holzver­w­er­tung ste­hen.

Zeitliche Anwen­dung der Tar­ifvergün­s­ti­gung im Falle ein­er außeror­dentlichen Holznutzung nach § 34b EStG

Zur Min­derung der wirtschaftlichen Fol­gen in Folge von höher­er Gewalt (z. B. Sturm) wird auf den Verkauf von Holz aus ein­er außeror­dentlichen Holznutzung ein ermäßigter Steuer­satz ange­wandt. Zur Nutzung der Tar­if­begün­s­ti­gun­gen müssen entsprechende Schä­den der zuständi­gen Finanzbe­hörde unverzüglich mit­geteilt wer­den. Für nach dem 31.12.2011 begin­nende Wirtschaft­s­jahre sind im Falle ein­er außeror­dentlichen Holznutzung bei der Ermit­tlung der Einkün­fte sowohl die Buch­w­ert­min­derung als auch die Wieder­auf­forstungskosten zu berück­sichti­gen. Für das Wirtschaft­s­jahr 2011/12 gilt § 34 b EStG sowohl in sein­er alten als auch in sein­er neuen Fas­sung, so dass an dieser Stelle ein Wahlrecht beste­ht. Abwe­ichend von der Regel, dass bei abwe­ichen­den Wirtschaft­s­jahren außeror­dentliche Gewinne voll­ständig im Ver­an­la­gungszeitraum ihres Entste­hens zu ver­s­teuern sind, darf aus Vere­in­fachungs­grün­den im Wirtschaft­s­jahr 2011/12 die Tar­if­begün­s­ti­gung des § 34 b EStG ein­ma­lig auf das gesamte Wirtschaft­s­jahr angewen­det wer­den.