Das Thüringer Finanzgericht (FG) hat sich in zwei Urteilen mit dem The­ma der gewin­n­min­dern­den Reduzierung der Anschaf­fungskosten für Wald­flächen in den neuen Bun­deslän­dern bei Ein­nahme-Über­schuss­rech­nung befasst (Urteile vom 10.2.2011 – IV 639/06 und IV 640/06).

Das FG kommt dabei zu dem Ergeb­nis, dass bei der Veräußerung von Holzein­schlag aus Überbestän­den anteilige Anschaf­fungskosten keine Berück­sich­ti­gung find­en kön­nen.

Ein Forstwirt, der seinen Gewinn gemäß § 4 Abs. 3 Einkom­men­steuerge­setz (EStG) ermit­telte, hat­te einen Waldbe­stand erwor­ben, der über län­gere Zeit nicht mehr nach­haltig bewirtschaftet wor­den war. Wegen des Pflegerück­stands hat­te er – im Ver­gle­ich zu ein­er nor­malen, laufend­en Bewirtschaf­tung – einen deut­lichen Überbe­stand an Bäu­men und Holz in seinem Waldbe­stand.

Nach Auf­fas­sung des FG berechtigte den Forstwirt ein vorgenommen­er Holzein­schlag von deut­lich weniger als 10 % nicht dazu, gewin­nwirk­sam die Anschaf­fungskosten für das ste­hende Holz anteilig zu min­dern.

Diese Mei­n­ung ver­tritt das FG auch dann, wenn der Holzein­schlag auf­grund des erforder­lichen Abbaus der Überbestände und der Schaf­fung von Wirtschaftswe­gen und ‑plätzen im Wald, die für eine Befahrbarkeit mit LKW erforder­lich sind, endgültig sei und es zu kein­er Wieder­auf­forstung komme, sofern durch den Holzein­schlag jedoch keine Kahlflächen in ein­er für die Annahme eines selb­ständi­gen Wirtschaftsguts „ste­hen­des Holz“ aus­re­ichen­den Größe von i. d. R. ein Hek­tar ent­standen seien.

Das ste­hende Holz gehört als ein vom Grund und Boden getren­nt zu bew­er­tendes Wirtschaftsgut zum nicht abnutzbaren Anlagev­er­mö­gen. Mit Tren­nung des Holzes von der Wurzel wech­selt es in das Umlaufver­mö­gen.

Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungskosten kön­nen nur dann gewin­nwirk­sam berück­sichtigt wer­den (solange der Bestand die Hiebreife noch nicht erre­icht hat), wenn sämtlich­es Holz eines Bestandes, der ein selb­ständi­ges Wirtschaftsgut darstellt, eingeschla­gen wird. Eine Zuord­nung von Anschaf­fungskosten kann nur dann erfol­gen, sofern ein selb­ständig bew­ert­bares Wirtschaftsgut vor­liegt. Im entsch­iede­nen Fall seien jedoch die einzel­nen Bäume sowie ein Überbe­stand an Bäu­men auf­grund eines Pflegerück­stands nicht als jew­eils selb­st­ständi­ges Wirtschaftsgut zu beurteilen.

Nach zwei Entschei­dun­gen des BFH vom 5.6.2008 (IV R 67/05 u. IV R 50/07) ist als Wirtschaftsgut beim ste­hen­den Holz der in einem selb­ständi­gen Nutzungs- und Funk­tion­szusam­men­hang ste­hende Baumbe­stand anzuse­hen, der sich durch die Holzartzusam­menset­zung, geo­graphis­che Fak­toren oder die Alter­sklassen­zusam­menset­zung deut­lich von den übri­gen Holzbestän­den abgren­zt und regelmäßig eine Min­dest­größe von einem Hek­tar umfasst.

Sofern ein amtlich anerkan­ntes Betrieb­sgutacht­en oder Betrieb­swerk erstellt wor­den ist, kann für die Bes­tim­mung des Wirtschaftsguts an die darin aus­gewiesene kle­in­ste Pla­nungs- und Bewirtschaf­tung­sein­heit, den Bestand, angeknüpft wer­den, sofern eine Min­dest­größe von einem Hek­tar gegeben ist.

Durch vorgegebene Min­dest­größe werde u.a. auch ver­mieden, dass einzelne Bestände durch forstwirtschaftliche Maß­nah­men (beispiel­sweise Ver­jün­gung­sein­schläge) nach und nach in mehrere Wirtschafts­güter abges­pal­ten wer­den. Eine gewin­nwirk­same Berück­sich­ti­gung der Anschaf­fungs- bzw. Her­stel­lungskosten kommt, solange der Bestand die Hiebreife noch nicht erre­icht hat, nur dann in Betra­cht, wenn sämtlich­es Holz eines Bestandes, der ein selb­ständi­ges Wirtschaftsgut darstellt, eingeschla­gen wird.