Stre­it­ig ist die Bew­er­tung des Feld­in­ven­tars der Klägerin, die eine gemis­chte Land­wirtschaft betrieb. In den Jahren 2002 und 2003 erzielte sie rund 20 % ihrer Umsatzer­löse aus Pflanzen­pro­duk­tion und etwa 60 % durch Milch­pro­duk­tion. Die Klägerin aktivierte ihr Feld­in­ven­tar. Die Bew­er­tung erfol­gte durch Erfas­sung der einzel­nen Schläge. Diese wur­den mit den anteili­gen Pach­taufwen­dun­gen für etwa drei Monate, den Einzelkosten des aus­ge­bracht­en Saatgutes und der aus­ge­bracht­en Pflanzen­schutz- bzw. Düngemit­tel sowie zur Erfas­sung des Wertverzehrs des Anlagev­er­mö­gens und der Per­son­alkosten mit den für den örtlichen Maschi­nen­ring in den Stre­it­jahren gel­tenden Richt­sätzen bew­ertet. Flächen, die nur für Som­mer­früchte (Som­merg­er­ste, Erb­sen, Hafer, Hanf, Mais) genutzt wur­den, blieben ohne Ansatz, weil die Klägerin aus Trinkwass­er- und Boden­schutz­grün­den auf eine Herb­st­furche verzichtete. Eben­falls ohne Ansatz blieben die für Feld­gras genutzten Flächen.

Das Finan­zamt war der Auf­fas­sung, dass das Feld­in­ven­tar mit Durch­schnittswerten gemäß den Stan­dard­her­stel­lungskosten des Bun­desmin­is­teri­ums für Land­wirtschaft (BML) nach den Ver­fü­gun­gen der Ober­fi­nanzdi­rek­tion Chem­nitz (OFD) vom 17.01.2003 – S 2133 – 6/19 – St 21 und vom 4.8.2003 – S 2123 – 6/222 – St 21 anzuset­zen sei. Das Finanzgericht Sach­sen (FG) fol­gte in seinem Urteil vom 16.5.2012 – 8 k 1355/10 der Ansicht der Klägerin.

Zum Betrieb­sver­mö­gen eines Land­wirts im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 1 Einkom­men­steuerge­setz (EStG) gehört auch das Feld­in­ven­tar. Unter Feld­in­ven­tar ver­ste­ht man die auf­grund der Feldbestel­lung auf den Feldern vorhan­de­nen Pflanzenbestände. Das Feld­in­ven­tar ist zwar wesentlich­er Bestandteil des Grund­stücks, steuer­rechtlich han­delt es sich jedoch um selb­st­ständi­ge Wirtschafts­güter des Umlaufver­mö­gens, wobei das Feld­in­ven­tar ein­er abgrenzbaren Fläche (eines einzel­nen Feldes) als selb­ständi­ges Wirtschaftsgut anzuse­hen ist.

Nach den Aus­führun­gen des FG verken­nt das Finan­zamt die Recht­slage, wenn es meint, das Feld­in­ven­tar der Klägerin müsse nach Durch­schnittswerten mit den Stan­dard­her­stel­lungskosten des BML ange­set­zt wer­den. Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG, § 252 Abs. 1 Nr. 3 Han­dels­ge­set­zbuch (HGB) sind Ver­mö­gens­ge­gen­stände einzeln zu bew­erten. Der Kauf­mann hat sie nach § 240 HGB in einem Inven­tar zu erfassen und dabei den Wert der einzel­nen Wirtschafts­güter anzugeben. Aus­nah­men vom Grund­satz der Einzel­be­w­er­tung sind in § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG, § 256 Satz 2 HGB i.V.m. § 240 Abs. 3 und Abs. 4 HGB geregelt. Diese Vere­in­fachun­gen des Bew­er­tungsver­fahrens erlauben unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen den Verzicht auf die Bew­er­tung der einzel­nen Wirtschafts­güter und stattdessen den Ausweis ein­er Gruppe von Wirtschafts­gütern mit einem Fes­t­wert bzw. mit einem Durch­schnittswert der einzel­nen in der Gruppe zusam­menge­fassten Wirtschafts­güter. Bei­de Ver­fahren stellen Bew­er­tungswahlrechte des Steuer-pflichti­gen dar, die nur von ihm aus­geübt wer­den kön­nen.

Vor­liegend hat­te die Klägerin auf­grund ein­er Inven­tur das Feld­in­ven­tar für jeden Schlag einzeln bew­ertet. Dem Vor­liegen ein­er Einzel­be­w­er­tung ste­ht nicht ent­ge­gen, dass dabei Teilschätzun­gen in Form des Ansatzes der Maschi­nen­ringsätze vorgenom­men wur­den.

Ein Grup­penansatz des Feld­in­ven­tars mit Durch­schnittswerten war auch nach den Regelun­gen § 5 Abs.1 Satz 1 EStG, § 252 Abs. 1 Nr. 6 EStG nicht geboten. Der Grund­satz der Bew­er­tungsstetigkeit besagt, dass grund­sät­zlich die auf den vorherge­hen­den Jahresab­schluss ange­wandten Bew­er­tungsmeth­o­d­en beizube­hal­ten sind. Ob im Stre­it­fall eine der zahlre­ichen Aus­nah­men von diesem Grund­satz greift, kann offen bleiben.

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