Wenn ein mit einem Nichteigen­tümer geschlossen­er Grund­stück­skaufver­trag wieder aufge­hoben wird, weil der Erwer­ber das Grund­stück direkt vom Eigen­tümer erwer­ben wollte, liegt nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanzhofs (BFH) vom 28.3.2012 – II R 42/11 keine Rück­gängig­machung im Sinne des § 16 Abs. 1 Nr. 1 Grun­der­werb-steuerge­setz (GrEStG) vor, sofern der Aufhe­bungsver­trag und der Kaufver­trag mit dem Eigen­tümer in aufeinan­der fol­gen­den Urkun­den abgeschlossen wur­den.
Nicht erforder­lich sei nach den Aus­führun­gen des BFH für einen Auss­chluss des § 16 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG, dass der Erwer­ber das Grund­stück als solch­es ver­w­erte; es reiche vielmehr aus, wenn er eine ihm aus dem ursprünglichen Erwerb­svor­gang verbliebene, das Grund­stück betr­e­f­fende Recht­spo­si­tion ver­w­erte.
Gemäß § 16 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG wird eine Steuer­fest­set­zung auf Antrag aufge­hoben, wenn ein Erwerb­svor­gang vor dem Über­gang des Eigen­tums am Grund­stück auf den Erwer­ber durch Vere­in­barung der Ver­tragspart­ner inner­halb von zwei Jahren seit der Entste­hung der Steuer rück­gängig gemacht wird.
Die Anwen­dung des § 16 Abs. 1 Nr. 1 GrEStG ist jedoch nur dann aus­geschlossen, wenn der Erster­wer­ber eine ihm verbliebene Recht­spo­si­tion auch in seinem eige­nen (wirtschaftlichen) Inter­esse ver­w­ertet hat (dazu BFH-Urteil in BFH/NV 2010, 2301, m.w.N.). Eine Ver­w­er­tung in diesem Sinne liegt vor, wenn die Ein­flussnahme des Erster­wer­bers auf die Weit­er­veräußerung Aus­fluss der ihm verbliebe­nen Recht­spo­si­tion ist. In diesem Fall sind die Inter­essen Drit­ter an der Weit­er­veräußerung unbeachtlich (s. BFH-Urteil in BFH/NV 2010, 2301).