Nach der Entschei­dung des Bun­des­fi­nanzhofs (BFH) vom 19.06.2013 – II R 29/12 sind Aufwen­dun­gen zur Erstel­lung von Sachver­ständi­gengutacht­en, die dem Nach­weis eines niedrigeren gemeinen Wertes eines zum Nach­lass gehören­den Grund­stücks dienen, als Nach­lassverbindlichkeit abziehbar. Voraus­set­zung dafür ist jedoch, dass diese Kosten in einem engen zeitlichen und sach­lichen Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Todes wegen anfall­en.
In dem entsch­iede­nen Fall war der Kläger Alleinerbe seines ver­stor­be­nen Onkels. Geerbt hat­te er unter anderem ein mit einem Ein­fam­i­lien­haus bebautes Grund­stück. Um einen Nach­weis im Hin­blick auf den Wert dieses Grund­stücks zu erhal­ten, ließ der Kläger für die Erb­schaft­s­teuer­erk­lärung ein Sachver­ständi­gengutacht­en erstellen, das etwa 2.600 Euro kostete.
Nach dem Ergeb­nis des Gutacht­ens legte das Finan­zamt den Wert des Grund­stücks mit einem Verkehr­swert in Höhe von 270.000 Euro fest. Unter Berück­sich­ti­gung dieses Grund­stück­swerts set­zte das Finan­zamt die Erb­schaft­s­teuer fest. Dabei berück­sichtigte es auch Erb­fal­lkosten, jedoch nicht die vom Kläger gel­tend gemacht­en Sachver­ständi­genkosten für die Fest­stel­lung des Grund­stück­swerts.
Der Kläger wehrte sich dage­gen. Das Finanzgericht (FG) fol­gte jedoch der Mei­n­ung des Finan­zamts und begrün­dete dies damit, dass die Kosten für das Gutacht­en zum Nach­weis eines niedrigeren gemeinen Wertes Kosten der Rechtsver­fol­gung zur Min­derung der Erb­schaft­s­teuer und damit nicht abzugs­fähig seien. Wenn das Gutacht­en darüber hin­aus auch noch der Fes­tle­gung der Preisun­ter­gren­ze für einen geplanten Verkauf des Grund­stücks gedi­ent habe, lägen die Kosten der Ver­w­er­tung des Nach­lass­es vor, die eben­falls nicht abzugs­fähig seien.
Der Bun­des­fi­nanzhof hob das Urteil des Finanzgerichts auf und gab der Klage statt. Das höch­ste deutsche Steuerg­ericht führte aus, dass die im Zusam­men­hang mit ein­er Erb­schaft­s­teuer­erk­lärung ange­fal­l­enen Kosten für ein Sachver­ständi­gengutacht­en zum Nach­weis des Werts eines Nach­lass­grund­stücks eine abzugs­fähige Nach­lassverbindlichkeit darstell­ten.
Abzugs­fähige Nach­lassverbindlichkeit­en sind unter anderem Kosten, die einem Erben im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Regelung oder Verteilung des Nach­lass­es oder mit der Erlan­gung des Erwerbs entste­hen. Dabei ist der Begriff der Nach­lass­regelungskosten nach den Aus­führun­gen des Bun­des­fi­nanzhofs weit auszule­gen. Zu diesen Kosten gehören auch Kosten für die Bew­er­tung von Nach­lass­ge­gen­stän­den, sofern diese Kosten in einem engen zeitlichen und sach­lichen Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Todes wegen entste­hen und nicht erst durch die spätere Ver­wal­tung des Nach­lass­es.
Vor allem gehören zu den Nach­lass­regelungskosten die Aufwen­dun­gen für die Erstel­lung eines Sachver­ständi­gengutacht­ens nach den Regelun­gen des Bew­er­tungs­ge­set­zes, um somit einen niedrigeren gemeinen Werts des Nach­lass­grund­stücks nachzuweisen. Solche Aufwen­dun­gen sind durch den Erb­fall ver­an­lasst, und sie ste­hen in einem unmit­tel­baren Zusam­men­hang mit der Abwick­lung des Nach­lass­es.
§ 10 Abs. 8 Erb­schaft- und Schenkung­s­teuerge­setz (Erb­StG) ste­ht dem Abzug der Aufwen­dun­gen für ein Sachver­ständi­gengutacht­en zum Nach­weis eines niedrigeren gemeinen Werts des Nach­lass­grund­stücks nicht ent­ge­gen. Nach dieser Regelung ist die vom Erben zu entrich­t­ende eigene Erb­schaft­s­teuer nicht abzugs­fähig. Jedoch han­delt es sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanzhofs bei den Aufwen­dun­gen für die Bew­er­tung von Nach­lass­ge­gen­stän­den nicht um Rechtsver­fol­gungskosten im Sinne dieser Vorschrift. Die Aufwen­dun­gen fall­en nicht unter das Abzugsver­bot.