Die Nutzungsvo­raus­set­zun­gen für einen Investi­tion­s­abzugs­be­trag nach § 7 g Abs. 1 Satz 2 Buchst. b Einkom­men­steuerge­setz (EStG) sind auch dann gegeben, wenn der Steuerpflichtige das Wirtschaftsgut sowohl in seinem eige­nen land­wirtschaftlichen Betrieb als auch in den land­wirtschaftlichen Betrieben Drit­ter ein­set­zt. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanzhofs (BFH) vom 19.3.2014 – X R 46/11 gilt dies auch dann, wenn der Ein­satz in den frem­den Betrieben ertrag­s­teuer­lich als selb­ständi­ger Gewer­be­be­trieb (Loh­nun­ternehmen) anzuse­hen ist und das Wirtschaftsgut dem Betrieb­sver­mö­gen dieses Gewer­be­be­triebs zuge­ord­net wird.
Ein Land­wirt erzielte mit seinem selb­st bewirtschafteten Betrieb Einkün­fte aus Land- und Forstwirtschaft sowie gewerbliche Einkün­fte mit seinem Loh­nun­ternehmen, mit dem er Ern­tear­beit­en für andere Land­wirte aus­führte. In 2008 machte er in dem Loh­nun­ternehmen einen Investi­tion­s­abzugs­be­trag für die voraus­sichtliche Anschaf­fung eines Mäh­dresch­ers gel­tend, den er dann im Fol­ge­jahr auch anschaffte. Den Mäh­dresch­er set­zte er zu 80 % im Loh­nun­ternehmen und zu 20 % in seinem land­wirtschaftlichen Betrieb ein, sodass er ihn dem Betrieb­sver­mö­gen des Loh­nun­ternehmens zuord­nete.
Das Finan­zamt ver­sagte den Investi­tion­s­abzugs­be­trag, da der Mäh­dresch­er zu mehr als 10 % außer­halb des gewerblichen Betriebs einge­set­zt wurde. Das Finanzgericht wies die Klage ab und berief sich auf den Wort­laut des Geset­zes, nach dem die Nutzungsvo­raus­set­zun­gen restrik­tiv betrieb­s­be­zo­gen, nicht per­so­n­en­be­zo­gen auszule­gen seien.
Der BFH hob das Urteil des Finanzgerichts auf. Die Inanspruch­nahme eines Investi­tion­s­abzugs­be­trags set­zt zwar u. a. voraus, dass der Steuerpflichtige beab­sichtigt, das begün­stigte Wirtschaftsgut in ein­er inländis­chen Betrieb­sstätte des Betriebs (fast) auss­chließlich betrieblich zu nutzen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanzgerichts ist die Nutzung im eige­nen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb des Steuerpflichti­gen aus Sicht des mit diesem Betrieb per­son­ell und organ­isatorisch ver­bun­de­nen Loh­nun­ternehmens nicht als „außer­be­trieblich“ anzuse­hen.
Die Gewährung des Investi­tion­s­abzugs­be­trags set­zt in der­ar­ti­gen Fällen aber voraus, dass das Größen­merk­mal des § 7 g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG in Bezug auf den investieren­den Betrieb auch dann erfüllt ist, wenn die Größe des Betriebs, in dem das Wirtschaftsgut eben­falls genutzt wer­den soll, in die Betra­ch­tung ein­be­zo­gen wird. Da das Finanzgericht dies nicht geprüft hat­te, wurde die Sache an das Finanzgericht zurück­ver­wiesen.
Eine fast auss­chließlich betriebliche Nutzung set­zt einen betrieblichen Nutzungsan­teil von min­destens 90 % voraus. Im Stre­it­fall ist die Nutzung des dem Loh­nun­ternehmen zuge­ord­neten Wirtschaftsguts im eige­nen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb des Steuerpflichti­gen i.S.d. § 7 g EStG nicht als „außer­be­trieblich“ anzuse­hen.
Hinzu kommt, dass eine kurzfristige Ver­mi­etung des Wirtschaftsguts (bis zu drei Monat­en) an einen Drit­ten zur Nutzung in dessen Betrieb der Begün­s­ti­gung der Investi­tion nach § 7 g EStG nicht ent­ge­gen­ste­ht.
Die Finanzver­wal­tung selb­st sieht die Nutzungs- und Verbleibensvo­raus­set­zun­gen nur in den Fällen der Über­führung, Über­tra­gung oder Ein­bringung des Wirtschaftsguts in einen anderen Betrieb des­sel­ben Steuerpflichti­gen als nicht erfüllt an. Ein solch­er Fall liegt im Stre­it­fall aber nicht vor, da der Mäh­dresch­er trotz seines gele­gentlichen Ein­satzes im land- und forstwirtschaftlichen Betrieb das Betrieb­sver­mö­gen des gewerblichen Loh­nun­ternehmens nicht ver­lassen hat.

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