Bei ein­er Auf­s­tock­ung des Tierbe­standes ist von ein­er gewerblichen Tierzucht auszuge­hen, wenn die Viehein­heit­en­gren­ze um mehr als 10 % über­schrit­ten und dadurch ein zusät­zlich­er Bedarf an Flächen von über 10% erforder­lich wird, ohne dass diese hinzu erwor­ben oder gepachtet wer­den bzw. der schädliche Viehbe­stand veräußert oder einem Drit­ten über­lassen wird – so das Finanzgericht Sach­sen-Anhalt (FG) in seinem Urteil vom 29.11.2012 – 6 K 1623/06. Pläne für eine kün­ftige Anmi­etung zusät­zlich­er Aus­gle­ichs­flächen oder die Abschaf­fung der schädlichen Tierbestände sind dabei nicht zu berück­sichti­gen, sofern sie nicht im engen zeitlichen Zusam­men­hang umge­set­zt wer­den.
Eine GmbH & Co. KG veräußerte 1997 die Hälfte ihres Fer­kelbe­standes an eine neue Gesellschaf­terin, die eine mod­erne Sauen­hal­tung plante. So wurde 1997/98 erhe­blich investiert. Bei nahezu gle­ich­bleiben­dem Bestand an land­wirtschaftlichen Nutzflächen erhöhte sich der Sauenbe­stand von 857 (30.6.1997) auf 2.028 (30.6.1999). Die im Bew­er­tungs­ge­setz vorge­se­henen Gren­zen waren über­schrit­ten.
Obwohl die Klägerin zum 30.6.2000 einen Teil der Sauen veräußerte, set­zte das Finan­zamt Einkün­fte aus gewerblich­er Tierzucht fest. Der Ein­spruch blieb erfol­g­los.
Das FG teilte die Auf­fas­sung des Finan­zamts. Das Gericht unter­schied in der Urteils­be­grün­dung zwis­chen den Merk­malen eines allmäh­lichen Struk­tur­wan­dels und eines sofor­ti­gen Struk­tur­wan­dels und stellte fest, dass die von der Klägerin umge­set­zten Maß­nah­men einen sofor­ti­gen Struk­tur­wan­del bedeuteten.