Solange die amtliche AfA-Tabelle die Nutzungs­dauer eines Wirtschaftsguts im Einzelfall vertret­bar abbildet, ist die Finanzver­wal­tung daran gebun­den. So hat das Finanzgericht Nieder­sach­sen (FG) im Urteil vom 9.7.2014 – 9 K 98/14 entsch­ieden (rkr).
Was ist, wenn das Finan­zamt einen gerin­geren Abschrei­bungssatz anset­zen will, als er in den amtlichen AfA-Tabellen aus­gewiesen ist? Ein solch­er Fall beschäftigte das FG Nieder­sach­sen. Es ging um eine Lager­halle. Der Land­wirt L set­zte eine Jahres-AfA von 6 % an, da die Halle in Leicht­bauweise errichtet war. Das Finan­zamt wollte demge­genüber nur 3 % anerken­nen, da die Halle nicht ein­deutig der Leicht­bauweise zuge­ord­net wer­den kon­nte. Im Rah­men ein­er Betrieb­sprü­fung zog es sog­ar einen Bausachver­ständi­gen hinzu. Daraufhin wur­den 4 % AfA ange­set­zt.
L legte gegen den Steuerbescheid Ein­spruch ein und begehrte einen Abschrei­bungssatz von 6%, wobei er sich dabei auf die amtlichen AfA-Tabellen (AfA-Tabelle „Land­wirtschaft und Tierzucht“, BMF-Schreiben vom 19.11.1996, BSt­Bl I 1996, S. 1416) berief.
Das FG gab dem Land­wirt recht: Die AfA-Tabellen des BMF haben für das Finan­zamt den Charak­ter ein­er Dien­stan­weisung. Für den Steuerpflichti­gen han­delt es sich um das Ange­bot der Ver­wal­tung für eine tat­säch­liche Ver­ständi­gung im Rah­men ein­er Schätzung, das er annehmen kann, aber nicht muss. L hat einen Anspruch auf die Anwen­dung des Abschrei­bungssatzes, wie er sich aus der amtlichen Abschrei­bungsta­belle ergibt. Solange die AfA-Tabelle die Nutzungs­dauer eines Wirtschaftsguts im Einzelfall vertret­bar abbildet, ist die Finanzver­wal­tung an die Erfahrungswerte der Tabelle gebun­den.

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