Bei Ein­führung des § 55 Einkom­men­steuerge­setz (EStG) zum 1.7.1970 war das Recht zur Milchgewin­nung und -ver­mark­tung noch ein unselb­ständi­ges Recht, das in dem Wirtschaftsgut Grund und Boden miten­thal­ten war und daher zusam­men mit diesem Wirtschaftsgut bew­ertet wurde.
Mit der Milch­garantiemen­gen-Verord­nung (MGV) vom 25.5.1984 ist ein Milch­lie­fer­recht, die sog. Milchquoten­regelung, einge­führt wor­den. Es han­delt sich um eine Pro­duk­tion­sein­schränkung in Form eines durch Verord­nung geschaf­fe­nen Milch­lie­fer­recht­es. Die MGV stellt auf den Milcherzeuger selb­st und nicht auf den Eigen­tümer des Grund und Bodens ab. Für zugepachtete Flächen wurde das Milch­lie­fer­recht daher dem Pächter und nicht dem Grund­stück­seigen­tümer zugeteilt.
Bis zum 29.9.1993 ein­schließlich kon­nte das Milch­lie­fer­recht grund­sät­zlich nur zusam­men mit der dazuge­höri­gen Fläche über­tra­gen wer­den (sog. Flächenakzes­sori­etät). Die Milchquoten­regelun­gen sind bis zum 31.3.2015 befris­tet. Mit Weg­fall der Flächenakzes­sori­etät zum 30.9.1993 wur­den die Milch­lie­fer­rechte selb­ständig han­del­bar. Ertrag-steuer­lich stellt das Milch­lie­fer­recht ein ein­heitlich­es, selb­ständi­ges imma­terielles Wirtschaftsgut des Anlagev­er­mö­gens dar, das zugeteilt sowie ent­geltlich oder unent­geltlich erwor­ben sein kann. Für imma­terielle Wirtschafts­güter des Anlagev­er­mö­gens ist ein Aktiv­posten nur anzuset­zen, wenn sie ent­geltlich erwor­ben wor­den sind. Entsprechen­des gilt bei Ein­lage in das Betrieb­sver­mö­gen.
Der (Buch-)Wert des Milch­lie­fer­rechts war zum Zeit­punkt der Ein­führung dieses Rechts vom (Buch-)Wert des Grund und Bodens nach Maß­gabe der Gesamtwert­meth­ode abzus­pal­ten. Dies galt unab­hängig davon, ob der Grund und Boden bere­its am 1.7.1970 zum Betrieb­sver­mö­gen gehört hat oder in der Zeit vom 1.7.1970 bis ein­schließlich 1.4.1984 Betrieb­sver­mö­gen gewor­den ist. Spätere Verän­derun­gen der Werte und des Umfangs von Grund und Boden oder Milch­lie­fer­recht haben auf die Ver­hält­nisse im Abspal­tungszeit­punkt keinen Ein­fluss. Der (Buch-)Wert des Grund und Bodens war im Ver­hält­nis der am 2.4.1984 für das Milch­lie­fer­recht ein­er­seits und den nack­ten Grund und Boden ander­er­seits erziel­baren örtlichen Mark­t­preise aufzuteilen.
Nach dem Aus­laufen der Milch-Garantiemen­gen-Verord­nung zum 31.3.2015 wer­den die zu diesem Zeit­punkt noch aktivierten abges­pal­te­nen Buch­w­erte nach § 55 Abs. 1 bis 4 EStG für Milch­lie­fer­rechte, die bis zum 31.3.2015 nicht veräußert oder ent­nom­men wor­den sind, wegen Weg­falls der Lie­fer­rechte auf die zuge­höri­gen Milcherzeu­gungs­flächen zurück­fall­en. Wer­den Milch­lie­fer­rechte oder Milcherzeu­gungs­flächen vor Ablauf des 31.3.2015 veräußert oder ent­nom­men, sind bei der Ermit­tlung der dadurch entste­hen­den Gewinne die mit diesem Schreiben geregel­ten Grund­sätze zur Buch­w­ertab­spal­tung unter Beach­tung des § 55 Abs. 6 EStG noch zu berück­sichti­gen.
In dem BMF-Schreiben – IV C 6 – S 2134/07/10002 :002 wer­den die Bew­er­tungsan­sätze der Milch­lie­fer­rechte bei fol­gen­den Fallgestal­tun­gen dargestellt:
• Abspal­tung des Milch­lie­fer­rechts vom Grund und Boden;
• Bilanzberich­ti­gung bei Gewin­ner­mit­tlung nach § 4 Abs. 1 EStG, Auswirkun­gen bei Gewin­ner­mit­tlung nach § 4 Abs. 3 und § 13a EStG sowie beim Wech­sel der Gewin­ner­mit­tlungsart;
• Ermit­tlung der (Buch-)Werte der einzel­nen Wirtschafts­güter.

Bei der betrieb­s­be­zo­ge­nen Berech­nung kann eine Vere­in­fachungsregelung angewen­det wer­den.

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