Stre­it­ig war in der Entschei­dung des Finanzgerichts Mün­ster (FG) vom 13.1.2015 – 1 K 2332/12 F, ob die Klägerin als Gesellschaft bürg­er­lichen Rechts (GbR) mit dem Zukauf, der Aus­bil­dung und dem Verkauf von Reitpfer­den eine den Einkün­ften aus Land- und Forstwirtschaft zuge­hörige Tier­hal­tung im Sinne des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 Einkom­men­steuerge­setz (EStG) mit der Folge betreibt, dass sie den Gewinn nach Durch­schnittssätzen ermit­teln kann (§ 13a EStG) oder aber gewerbliche Einkün­fte erwirtschaftet (§ 15 EStG).
Im vor­liegen­den Fall unter­hält die Klägerin (GbR) zwei betriebliche Ein­heit­en: zum einen eine Pfer­de­v­ere­delung und einen Pfer­de­han­del und zum anderen die Boden­be­wirtschaf­tung auf dem von ihr gepachteten Grün­land.
Die Klägerin möchte, dass die Gewinne aus Pfer­de­v­ere­delung und Pfer­de­han­del den Einkün­ften aus der Land- und Forstwirtschaft zuge­ord­net wer­den und somit nach Durch­schnittssätzen ermit­telt wer­den kön­nen. Dies set­zt voraus, dass die Tätigkeit­en einen zusam­menge­höri­gen land­wirtschaftlichen Betrieb bilden.
Eine Def­i­n­i­tion, was unter einem ein­heitlichen Betrieb zu ver­ste­hen ist, enthält das Einkom­men­steuerge­setz (§ 13 EStG) nicht. Die Recht­sprechung greift auf das Bew­er­tungs­ge­setz (BewG) zurück, wonach ein Betrieb der Land- und Forstwirtschaft die wirtschaftliche Ein­heit des land- und forstwirtschaftlichen Ver­mö­gens darstellt (§ 33 Abs. 1 BewG). Dabei ist der Umfang ein­er wirtschaftlichen Ein­heit nach der Verkehrsan­schau­ung zu bes­tim­men. Örtliche Gewohn­heit, tat­säch­liche Übung, Zweckbes­tim­mung sowie die wirtschaftliche Zusam­menge­hörigkeit der einzel­nen Wirtschafts­güter sind zu berück­sichti­gen. Auf der Grund­lage ein­er Gesamtwürdi­gung der betrieblichen Ver­hält­nisse ist dem­nach im Einzelfall zu prüfen, was noch zu einem ein­heitlichen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft gehört und was eben nicht.
Wichtig ist vor allem, ob zwis­chen den einzel­nen Betrieb­sein­heit­en ein organ­isatorisch­er, wirtschaftlich­er oder finanzieller Zusam­men­hang beste­ht und ob es sich um gle­ichar­tige oder ungle­ichar­tige Betä­ti­gun­gen han­delt. Unter Ein­beziehung selb­st­be­wirtschafteter Pacht­flächen hat die Recht­sprechung den Begriff des Betriebes einkom­men­steuer­rechtlich darüber hin­aus als eine auf die Erre­ichung eines arbeits- und pro­duk­tion­stech­nis­chen Zwecks gerichtete organ­isatorische Zusam­men­fas­sung per­son­eller, sach­lich­er und ander­er Arbeitsmit­tel zu ein­er selb­ständi­gen Ein­heit definiert (siehe dazu im Einzel­nen u. a. BFH, Urteil vom 16.11.1978 – IV R 191/74; Urteil vom 29.3.2001 – IV R 62/99; Urteil vom 19.7.2011 – IV R 10/09).
Vor­liegend geht der BFH davon aus, dass zwis­chen der Pfer­de­v­ere­delung und dem Pfer­de­han­del ein­er­seits sowie der Boden­be­wirtschaf­tung ander­er­seits kein organ­isatorisch­er, sach­lich­er, per­son­eller, wirtschaftlich­er oder finanzieller Zusam­men­hang in der Form beste­ht, dass von einem ein­heitlichen land­wirtschaftlichen Betrieb gesprochen wer­den kann. Bei­de Betriebe ver­fü­gen über einen selb­ständi­gen Inhalt und eigene Struk­turen und sind jew­eils auch ohne den Anderen lebens­fähig.
Auch stellt sich die Betä­ti­gung der Klägerin schon aus sys­tem­a­tis­chen Gesicht­spunk­ten nicht als wirtschaftliche Ein­heit dar, da die Pfer­de­hal­tung in Form der Pen­sion­stier­hal­tung ihrem Wesen und Charak­ter nach auf Nutzung fremder Ressourcen aus­gerichtet ist und demzu­folge prinzip­iell kein­er eige­nen Boden­be­wirtschaf­tung durch die Klägerin als Pen­sion­snehmerin bedarf.
Alleine der Umstand, dass die Pfer­de­hal­tung und die Boden­be­wirtschaf­tung unter der (ein­heitlichen) Leitung der Klägerin ste­hen, begrün­det für sich betra­chtet keine aus­re­ichende sach­liche Ver­flech­tung.