Mit dem Gesetz zur Anpas­sung der Abgabenord­nung an den Zol­lkodex der Union und zur Änderung weit­er­er steuer­lich­er Vorschriften wurde die Gewin­ner­mit­tlung nach Durch­schnittssätzen (§ 13a EStG) für Land- und Forstwirte neu geregelt. Die Neu­fas­sung ist gem. § 52 Abs. 22 Satz 2 EStG erst­mals für das Wirtschaft­s­jahr anzuwen­den, das nach dem 30.12.2015 endet. Das BMF hat mit Schreiben vom 10.11.2015 – IV C 7 – S 2149/15/10001 die neuen Grund­sätze der Gewin­ner­mit­tlung erläutert. Die wichtig­sten Neuregelun­gen:
Voraus­set­zung für die Anwen­dung der Gewin­ner­mit­tlung nach Durch­schnittssätzen ist wie bish­er, dass keine Pflicht zur Führung von Büch­ern beste­ht, eine selb­st­be­wirtschaftete land­wirtschaftliche Fläche von nicht mehr als 20 ha ohne Son­der­nutzun­gen vor­liegt und die Tierbestände nicht mehr als 50 Viehein­heit­en umfassen. Für die Beurteilung der Flächen­größe ist die selb­st­be­wirtschaftete Fläche am 15. Mai des Wirtschaft­s­jahres nach den Angaben in dem automa­tisierten Liegen­schaft­skataster entschei­dend.
Grund­be­trag der land­wirtschaftlichen Nutzung ist anstelle von dif­feren­zierten Hek­tar­w­erten ein Betrag von pauschal 350 € als Gewinn je Hek­tar. Bei ein­er Tierzucht oder Tier­hal­tung wird zusät­zlich ein Pauschal­be­trag von 300 € je Viehein­heit als Gewinnzuschlag erfasst, der jedoch erst bei mehr als 25 Viehein­heit­en erhoben wird. Dabei sind nur die im Wirtschaft­s­jahr erzeugten und gehal­te­nen Tiere zu berück­sichti­gen (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 bis 4 EStG, Anlage 1 zum BewG).
Selb­st­be­wirtschaftete Flächen der forstwirtschaftlichen Nutzung sind als neue Anwen­dungskri­te­rien in den Anwen­dungs­bere­ich des § 13a EStG aufgenom­men wor­den, wenn sie nicht mehr als 50 ha umfassen. Dies gilt aber nur, wenn die forstwirtschaftliche Nutzung im Rah­men der land­wirtschaftlichen Nutzung erfol­gt; auf reine Forst­be­triebe ist die Vorschrift nicht anzuwen­den.
Bei der Ermit­tlung des Gewinns aus forstwirtschaftlich­er Nutzung sind 55 % der Ein­nah­men aus der Ver­w­er­tung des eingeschla­ge­nen Holzes als Betrieb­saus­gaben abzuziehen. Soweit Holz auf dem Stamm verkauft wird, beträgt der pauschale Betrieb­saus­gaben­abzug 20 % der Ein­nah­men.
Bei den Son­der­nutzun­gen ist nach der Neuregelung ein Gewinnzuschlag von 1.000 € je Son­der­nutzung anzuset­zen. Die einzel­nen Son­der­nutzun­gen sind in ein­er Tabelle zusam­menge­fasst, in der die bish­er gel­tenden Wert­gren­zen auf die Flächen der einzel­nen Nutzun­gen umgerech­net wur­den. Dabei sind Min­dest­flächen und Flächenober­gren­zen für die Anwend­barkeit der vere­in­facht­en Gewin­ner­mit­tlung vorge­se­hen. Die Anwen­dung der Gewin­ner­mit­tlung nach § 13a EStG ist damit erst­mals auch für Betriebe mit auss­chließlichen Son­der­nutzun­gen im Rah­men der aufge­führten Flächen­gren­zen möglich.
Zusät­zlich zum Grund­be­trag und zu den Gewinnzuschlä­gen für Son­der­nutzun­gen wer­den nach § 13a Abs. 7 EStG unter anderen fol­gende Son­dergewinne geson­dert erfasst: Gewinne aus der Veräußerung von Grund und Boden (ein­schl. Aufwuchs, Gebäu­den etc.); Gewinne aus der Veräußerung oder Ent­nahme der übri­gen Wirtschafts­güter des Anlagev­er­mö­gens und Tiere, wenn der jew­eilige Veräußerung­spreis für das einzelne Wirtschaftsgut mehr als 15.000 € betra­gen hat; Entschädi­gun­gen für den Ver­lust, den Unter­gang oder für Wert­min­derun­gen der Wirtschafts­güter; Gewinne aus der Auflö­sung von Rück­la­gen.
Die Möglichkeit bleibt erhal­ten, auf Antrag den Gewinn nach § 4 Abs. 1 oder Abs. 3 EStG mit ein­er Bindungs­frist von 4 Jahren zu ermit­teln. Die Finanzver­wal­tung muss mit­teilen, wenn die Voraus­set­zun­gen für die Anwen­dung der vere­in­facht­en Gewinn­ermittlung nicht mehr vor­liegen.