Der Bun­des­fi­nanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 2.7.2015 – IV R 21/14 entsch­ieden, dass der Ein­schlag in ste­hen­des Holz zu ein­er Gewinn min­dern­den Buch­w­ertab­spal­tung führt, und damit das Urteil des Säch­sis­chen Finanzgerichts vom 12.2.2014 – 8 K 608/09 (vgl. SteuWi, Heft 1/2015, S. 9) bestätigt.
Im Stre­it­fall hat­te eine GbR (Klägerin) Forstflächen bewirtschaftet, die ihre vier Gesellschafter jew­eils zu Bruchteil­seigen­tum erwor­ben hat­ten. Auf das ste­hende Holz ent­fiel ein Kauf­preis von rund 356.000 €. Im Rumpfwirtschaft­s­jahr 1.8.2005 bis 30.6.2006 ern­tete sie Stammholz aus dem erwor­be­nen Bestand und machte eine pauschale Wert­min­derung des ste­hen­den Holzes gel­tend, die vom Finan­zamt nicht anerkan­nt wurde. Mit dem Ein­spruch machte sie Abschrei­bun­gen für Wert­min­derun­gen an dem Bestand an ste­hen­dem Holz gel­tend, bei dem die Min­dest­größe von einem Hek­tar erre­icht war und der Ein­schlag min­destens 10 % des Bestands betrug. Der Ein­spruch blieb erfol­g­los.
Das Finanzgericht gab der Klage statt. Zwar kon­nten nach Ansicht des Finanzgerichts die Anschaf­fungskosten für das eingeschla­gene Holz nicht im Wege der Teil­w­ertab­schrei­bung berück­sichtigt wer­den, da bei den betrof­fe­nen Baumbestän­den keine dauernde Wert­min­derung vor­liege. Allerd­ings führte eine Buch­w­ertab­spal­tung zum gle­ichen Ergeb­nis. Das Finan­zamt rügte in der Revi­sion die Ver­let­zung materiellen Rechts, da die vom FG herange­zo­gene Ein­schlags­gren­ze von 10 % des Baumbe­stands im Gesetz keine Stütze fände.
Die Revi­sion hat­te keinen Erfolg. Der BFH hat allerd­ings die Klageschrift eigen­ständig aus­gelegt: Im Stre­it­fall begehrte die Klägerin die Berück­sich­ti­gung der anteili­gen Anschaf­fungskosten des ste­hen­den Holzes, das sich im Bruchteil­seigen­tum der vier beige­lade­nen Gesellschafter befand. Die Grund­stücks­flächen mit dem Holz waren daher dem Son­der­be­trieb­sver­mö­gen der Gesellschafter zuzuord­nen, sodass die anteili­gen Anschaf­fungskosten auch nur im Son­der­be­trieb­sver­mö­gen als Son­der­be­trieb­saus­gaben berück­sichtigt wer­den kon­nten. Der BFH hat die Klage daher – Rechtss­chutz gewährend – dahin aus­gelegt, dass die Änderung des Gewin­n­fest­stel­lungs­beschei­ds insoweit begehrt wird, als für die Gesellschafter ein Son­der­be­trieb­sver­lust in Höhe der anteili­gen Anschaf­fungskosten fest­gestellt wird.
Als Wirtschaftsgut ist der in einem selb­st­ständi­gen Nutzungs- und Funk­tion­szusam­men­hang ste­hende Baumbe­stand anzuse­hen, der sich durch geo­graphis­che Fak­toren, die Holzartzusam­menset­zung oder die Alter­sklassen­zusam­menset­zung deut­lich von den übri­gen Holzbestän­den abgren­zt und regelmäßig eine Min­dest­größe von einem Hek­tar umfasst.
Neben dem Kahlschlag, durch den ein gesamter Bestand und damit ein Wirtschaftsgut voll­ständig beseit­igt wird, kann auch der Ein­schlag einzel­ner hieb­sreifer Bäume inner­halb eines Bestands Auswirkun­gen auf den Wert des ste­hen­den Holzes haben. Ein­schläge in der End­nutzungsphase vorhan­den­er Bäume führen zu ein­er Abspal­tung eines Teil­be­trags vom Buch­w­ert des ste­hen­den Holzes, der dann auf das zum Umlaufver­mö­gen gehörende geschla­gene Holz ent­fällt. Der Teil­w­ert des jew­eili­gen Bestands bildet die Gren­ze der Buch­w­ertab­spal­tung durch Ein­schlag in der End­nutzung.
Für die Buch­w­ertab­spal­tung wegen Sub­stanz­min­derung auf­grund des Ein­schlags von hieb­sreifen Bestän­den (End­nutzung) bedarf es keines Über­schre­it­ens ein­er (star­ren) Wesentlichkeits­gren­ze. Für eine solche Min­dest­gren­ze gibt es keine Notwendigkeit. Allerd­ings trägt der Steuerpflichtige nach all­ge­meinen Grund­sätzen die Fest­stel­lungslast für die Höhe des abges­pal­te­nen Buch­w­erts.

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