Wird land­wirtschaftlich­er Grundbe­sitz inner­halb der Behal­tens­frist für Erb­schaft­s­teuerzwecke veräußert,
beste­ht nicht die Möglichkeit des Nach­weis­es eines niedrigeren gemeinen Wertes durch den Kauf­preis.
Dem Stre­it­fall lag fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Der Erbe E hat in 2011 einen Betrieb der Land- und
Forstwirtschaft geerbt. Bere­its in 2012 veräußerte er die geerbten Grund­stücke und beantragte als
Liq­ui­da­tion­swert den Veräußerung­spreis anzuset­zen. Das Finan­zamt lehnte es jedoch ab, den dabei
erziel­ten Veräußerungser­lös als nachgewiese­nen niedrigeren gemeinen Wert zu berück­sichti­gen.
Vielmehr hat es für die Ermit­tlung der Erb­schaft­s­teuer einen über dem Verkauf­ser­lös liegen­den
Liq­ui­da­tion­swert nach § 166 Abs. 2 BewG (Boden­richtwert) zugrunde gelegt. Der Ein­spruch des E war
nur teil­weise erfol­gre­ich und führte zu ein­er ger­ingfügi­gen Reduzierung des Liq­ui­da­tion­swerts.
Das Finanzgericht Nürn­berg hält den Ansatz des Liq­ui­da­tion­swertes nach § 166 Abs. 2 BewG für
zutr­e­f­fend. Das FA habe für den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft den Grundbe­sitzw­ert als Wert des
Wirtschaft­steils zutr­e­f­fend mit dem Liq­ui­da­tion­swert ermit­telt. Ins­beson­dere wird dies damit begrün­det,
dass der Geset­zge­ber bei der Liq­ui­da­tions­be­w­er­tung des luf Ver­mö­gens nach § 166 BewG keine
Öff­nungsklausel vorge­se­hen habe, wie dies z.B. in § 198 BewG für wirtschaftliche Ein­heit­en des
Grund­ver­mö­gens vorge­se­hen sei. Damit beste­he keine Möglichkeit für einen Nach­weis eines
niedrigeren gemeinen Wertes, wie etwa durch einen im gewöhn­lichen Geschäftsverkehr inner­halb eines
Jahres nach dem Besteuerungszeit­punkt erziel­ten tat­säch­lich gerin­geren Kauf­preis. Damit ist der auf der
Grund­lage der von den Gutachter­auss­chüssen erziel­ten Boden­richtwerte zu ermit­tel­nde Liq­ui­da­tion­swert
stets der unter­ste Wer­tansatz und wäre als solch­er auch in einem Gutacht­en als Min­dest­wert
anzuset­zen.
Hin­weis: Nach ver­schiede­nen Vorschriften des Bew­er­tungs­ge­set­zes ist der Nach­weis eines niedrigeren
gemeinen Wertes durch einen im gewöhn­lichen Geschäftsverkehr inner­halb eines Jahres vor oder nach
dem Besteuerungszeit­punkt zus­tande gekomme­nen Kauf­preis­es möglich. Das FG hat daher die Revi­sion
wegen grund­sät­zlich­er Bedeu­tung der Frage, ob ein durch zeit­na­he Veräußerung nachgewiesen­er
niedriger­er gemein­er Wert bei der Ermit­tlung des Grundbe­sitzw­erts eines luf Betriebs für Zwecke der
Erb­schaft­s­teuer statt des Liq­ui­da­tion­swerts ange­set­zt wer­den kann, zuge­lassen. Die Revi­sion wurde
ein­gelegt (Az.BFH: II R 9/16).