Die umsatzs­teuer­liche Beurteilung der Jagdver­pach­tung durch Jagdgenossen­schaften ändert sich zum
1.1.2017. Eine Über­gangsregelung ermöglicht jedoch die Weit­er­an­wen­dung des bish­eri­gen Rechts bis
31.12.2020. Der Antrag hierzu muss bis 31.12.2016 gestellt wer­den.
Hin­ter­grund: Eigen­tümer der Grund­flächen, die zu einem gemein­schaftlichen Jagdbezirk gehören,
bilden eine Jagdgenossen­schaft. Einen gemein­schaftlichen Jagdbezirk bilden alle Grund­flächen ein­er
Gemeinde oder abgeson­derten Gemarkung, die nicht zu einem Eigen­jagdbezirk gehören, wenn sie im
Zusam­men­hang eine bes­timmte Min­dest­fläche umfassen. Die Jagdgenossen­schaft entste­ht kraft
Geset­zes. Die Jagdgenossen­schaft stellt eine Kör­per­schaft des öffentlichen Rechts (= juris­tis­che Per­son
des öffentlichen Rechts — jPdöR) dar. Die Jagdgenossen­schaften ver­pacht­en i.d.R die Jagd. Teils schüt­ten
sie den Rein­er­trag aus der Jagdnutzung an ihre Mit­glieder aus, teils ver­wen­den sie ihn zum
Wirtschaftswege­bau oder zur Bekämp­fung von Wild­schä­den.
Umsatzbesteuerung bis ein­schließlich 2016
Die Ver­pach­tung der Jagd wird derzeit als Ver­mö­gensver­wal­tung beurteilt. Die Jagdgenossen­schaft wird
mit der Ver­mö­gensver­wal­tung nicht unternehmerisch tätig (§ 2 Abs. 3 UStG). Diese bis zum
31.12.2015 gel­tende Recht­slage ist auch noch auf die Umsätze, die im Jahre 2016 aus­ge­führt wor­den
sind, anzuwen­den (§ 27 Abs. 22 S. 1 UStG).
Umsatzbesteuerung ab dem Jahr 2017
Durch Art. 12 des Geset­zes vom 02.11.2015 wur­den die Regelun­gen zur Unternehmereigen­schaft von
juris­tis­chen Per­so­n­en des öffentlichen Rechts (jPdöR) neu gefasst und § 2b UStG mit Wirkung vom
1.1.2016 neu einge­fügt. Jedoch ist § 2b UStG in der am 1.1.2016 gel­tenden Fas­sung erst auf Umsätze
anzuwen­den, die nach dem 31.12.2016 aus­ge­führt wer­den (§ 27 Abs. 22 S. 2 UStG). Dies hat u.a.
die Folge, dass Umsätze der Ver­mö­gensver­wal­tung nun­mehr der unternehmerischen Tätigkeit der jPdöR
zuzurech­nen sind. Die Jagdgenossen­schaft wird daher mit der Ver­pach­tung der Jagd zum Unternehmer.
Die Ver­pach­tung der Jagd unter­liegt mit dem Regel­s­teuer­satz von 19% der Umsatzs­teuer.
Über­gangsregelung (§ 27 Abs. 22 S. 3 UStG)
Jede jPdöR kann dem Finan­zamt gegenüber jedoch ein­ma­lig erk­lären, dass sie § 2 Abs. 3 UStG in der
am 31.12.2015 gel­tenden Fas­sung für sämtliche nach dem 31.12.2016 und vor dem 1.1.2021
aus­ge­führten Leis­tun­gen weit­er­hin anwen­det (§ 27 Abs. 22 S. 3 UStG). Diese Option­serk­lärung ist bis
zum 31.12.2016 durch den geset­zlichen Vertreter oder einen Bevollmächtigten abzugeben und
grund­sät­zlich an das nach § 21 AO zuständi­ge Finan­zamt zu richt­en. Darauf weist die Bay­erische
Finanzver­wal­tung in einem aktuellen Merk­blatt hin.
§ 27 Abs. 22 S. 3 UStG erlaubt es, per Erk­lärung die bish­er bis 2016 gültige Recht­slage (vgl. oben) bis
ein­schl. 2020 fortzuführen. Auch wenn wegen der anzuwen­den­den Klei­n­un­ternehmer­regelung (vgl.
unten) bei den meis­ten Jagdgenossen­schaften in den Jahren 2017 bis 2020 keine Umsatzs­teuer anfall­en
würde, emp­fiehlt die Finanzver­wal­tung den Jagdgenossen­schaften, zur Sicher­heit eine Erk­lärung nach §
27 Abs. 22 S. 3 UStG abzugeben. Mit der Abgabe der Fort­führungserk­lärung sind für die
Jagdgenossen­schaften kein­er­lei Nachteile ver­bun­den, weil sie diese Erk­lärung jed­erzeit wider­rufen
kön­nen (§ 27 Abs. 22 S. 6 UStG).
Hin­weis: Jagdgenossen­schaften vere­in­nah­men häu­fig eine rel­a­tiv geringe Jagdpacht. Bei ihnen wird die
sog. Klei­n­un­ternehmer­regelung (§ 19 UStG) zur Anwen­dung kom­men. Über­steigt der Gesam­tum­satz
des Vor­jahres nicht den Betrag von 17.500 EUR, wird die Umsatzs­teuer nicht erhoben. Die
Genossen­schaft darf dann allerd­ings dem Jagdpächter keine Umsatzs­teuer offen in Rech­nung stellen.
Soll­ten die gesamten von der Jagdgenossen­schaft vere­in­nahmten Jagdpacht­en jährlich den
Gesam­tum­satz von 17.500 EUR nicht über­schre­it­en, wird sich ab 2021 wegen der Anwen­dung der
Klei­n­un­ternehmer­regelung (§ 19 UStG) im Ergeb­nis gegenüber der bish­eri­gen Recht­slage nichts ändern.

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