Das Finanzgericht Berlin-Bran­den­burg (FG) hat mit Urteil vom 13.4.2016 – 1 K 5322/14 entsch­ieden, dass eine Per­so­n­enge­sellschaft, die früher land­wirtschaftliche Einkün­fte bezo­gen hat, dann aber durch die ent­geltliche Ver­mi­etung von Maschi­nen ins­ge­samt gewerbliche Einkün­fte erzielt, keinen Anspruch darauf hat, dass auch nach diesem Struk­tur­wan­del im Bil­ligkeitswege auf eine Aktivierung des Feld­in­ven­tars (R 14 Abs. 2 Satz 3 EStR 2008) verzichtet wird.
Nach R 14 Abs. 2 EStR ist das Feld­in­ven­tar bzw. die ste­hende Ernte im Regelfall jew­eils als selb­st­ständi­ges Wirtschaftsgut des Umlaufver­mö­gens anzuse­hen und mit den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungskosten einzeln zu bew­erten. Nach der Vere­in­fachungsregelung kann bei land­wirtschaftlichen Betrieben oder Teil­be­trieben unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen von ein­er Aktivierung der Wirtschafts­güter abge­se­hen wer­den.
Zu den land­wirtschaftlichen Betrieben i.S.d. R 14 Abs. 2 Satz 3 EStR 2008 zählen neben den land­wirtschaftlich täti­gen Unternehmen mit Einkün­ften aus § 13 EStG auch Unternehmen, die land­wirtschaftliche Einkün­fte erzie­len, jedoch alleine auf­grund ihrer Rechts­form zu den Gewer­be­be­trieben gehören (z. B. Kap­i­talge­sellschaften). Die Vere­in­fachungsregelung kann aber nicht auf land­wirtschaftlich tätige Per­so­n­enge­sellschaften aus­gedehnt wer­den, die nur infolge des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG als Gewer­be­treibende zu beurteilen sind (FG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 24.9.2014 – 3 K 180/13).
Im Stre­it­fall war bei ein­er Betrieb­sprü­fung in 2008 fest­gestellt wor­den, dass eine land­wirtschaftlich tätige GbR in erhe­blichem Umfang Ein­nah­men aus der ent­geltlichen Ver­mi­etung von Maschi­nen an fremde Dritte (Land­wirte und Nicht­land­wirte) erzielte. Daraufhin qual­i­fizierte das Finan­zamt die Einkün­fte der Klägerin ab 2007 als solche aus Gewer­be­be­trieb. Das Finan­zamt aktivierte das bis dahin nicht berück­sichtigte Feld­in­ven­tar mit einem Betrag von 376.166 € Gewinn erhöhend. Die Klägerin wandte sich mit Klage gegen die Qual­i­fizierung der Einkün­fte als Einkün­fte aus Gewer­be­be­trieb und stellte gle­ichzeit­ig den Antrag auf eine Bil­ligkeits­maß­nahme nach § 163 AO mit dem Ziel, auf die Aktivierung des Feld­in­ven­tars gem. R 14 Abs. 2 Satz 3 EStR 2008 zu verzicht­en.
Das FG hielt die Klage zwar für zuläs­sig, jedoch für unbe­grün­det. Es führte aus, dass dem Verzicht auf die Aktivierung des Feld­in­ven­tars land­wirtschaftliche Beson­der­heit­en zugrunde liegen.
Das land­wirtschaftliche Nor­mal­wirtschaft­s­jahr, das den Zeitraum vom 1. Juli bis 30. Juni umfasst, begin­nt im Acker­bau mit der Ernte, an die sich die Feldbestel­lung anschließt. Es endet, bevor die Ernte der ange­baut­en Feld­früchte begin­nt. Der sofor­tige Betrieb­saus­gaben­abzug bewirkt daher, dass neben den Erlösen aus der Ernte auch der Aufwand für die Feldbestel­lung in dem­sel­ben Wirtschaft­s­jahr berück­sichtigt wer­den kann, in dem es ange­fall­en ist. Damit wird die oft schwierige Bew­er­tung des Feld­in­ven­tars ver­mieden.
Der Klägerin ste­ht das Bew­er­tungswahlrecht gemäß R 14 Abs. 2 Satz 3 EStR 2008 jedoch nicht zu. Es han­delt sich bei ihr um eine (auch) land­wirtschaftlich tätige Per­so­n­enge­sellschaft, die auf­grund ihrer weit­eren Einkün­fte als Gewer­be­be­trieb zu beurteilen ist. Nach R 34 Satz 2 KStR 2004 dür­fen auch Kör­per­schaften, bei denen alle Einkün­fte als Einkün­fte aus Gewer­be­be­trieb zu behan­deln sind, die Bil­ligkeit­sregelung in Anspruch nehmen. Voraus­set­zung ist aber, dass sich der Betrieb der Kör­per­schaft auf die Land- und Forstwirtschaft beschränkt oder der land- und forstwirtschaftliche Betrieb als organ­isatorisch verselb­st­ständigter Betrieb­steil (Teil­be­trieb) geführt wird. Die Klägerin gehört jedoch nicht zu diesem Kreis, da es sich bei ihr nicht bzw. nicht mehr um einen land­wirtschaftlichen Betrieb han­delt.

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