In einem dem Urteil des Finanzgerichts Mün­ster (FG) vom 20.2.2018 – 15 K 3117/17 U zugrunde liegen­den Sachver­halt ist es stre­it­ig, ob bei einem unterbliebe­nen (frist­gerecht­en) Verzicht auf die Anwen­dung der Vorschriften über die Durch­schnittssatzbesteuerung nach § 24 Umsatzs­teuerge­setz (UStG) in den Stre­it­jahren 2003 und 2004 der Pfer­de­pen­sions­be­trieb des Klägers der Besteuerung nach den all­ge­meinen Vorschriften des UStG oder nach den Vorschriften über die Durch­schnittssatzbesteuerung unter­liegt bzw. ob eine ver­spätete Zuord­nung der Vor­bezüge zum Unternehmen des Klägers vor­liegt.
In den Stre­it­jahren erzielte der Kläger Einkün­fte aus nicht­selb­st­ständi­ger Arbeit. Er erwarb eine im Außen­bere­ich liegende etwa 10,5 ha große land­wirtschaftliche Nutzfläche ein­schließlich der darauf befind­lichen Wirtschafts- und Wohnge­bäude. Nach den ab August 2003 erfol­gten Umbauar­beit­en betrieb der Kläger ab Jan­u­ar 2004 in den Wirtschafts­ge­bäu­den eine Pfer­de­pen­sion mit Box­en­ver­mi­etung an den Betrieb sein­er Ehe­frau und an andere Ein­steller. Das beklagte Finan­zamt enthielt im August 2003 ein Schreiben des Klägers, in dem er dem Beklagten mit­teilte, dass er auf dem Hof eine land­wirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen werde. In der Erk­lärung für die Ein­heits­be­w­er­tung des land­wirtschaftlichen Betriebs – Erk­lärung über Pfer­de­hal­tung – für die Wirtschaft­s­jahre 2003/2004 und 2004/2005 vom Novem­ber 2006 bejahte der Kläger eine Pen­sion­spfer­de­hal­tung.
Der Kläger reichte beim Finan­zamt für den Pfer­de­pen­sions­be­trieb Umsatzs­teuer-Erk­lärun­gen für die Jahre 2003 und 2004 ein, in denen er für 2003 nur Vors­teuer­be­träge und für 2004 Umsätze und Vors­teuer­be­träge und für bei­de Jahre Steuerüber­schüsse erk­lärte.
Der Kläger trug zu der für 2003 erk­lärten Vors­teuer vor, die in 2003 erwor­be­nen Gebäude in einen Pen­sion­spfer­de­be­trieb umge­baut und ab Jan­u­ar 2004 Pen­sion­spferde eingestellt zu haben, worauf der Beklagte – das Finan­zamt – der Umsatzs­teuer-Erk­lärung für 2003 und der Umsatzs­teuer-Erk­lärung für 2004 nach § 168 der Abgabenord­nung (AO) zus­timmte.
Nach ein­er Außen­prü­fung beim Kläger nahm das Finan­zamt an, dass Umsätze mit ein­er Pfer­de­pen­sion ab dem 1.1.2005 nicht der Durch­schnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG unter­la­gen. Der Kläger hätte für die Umsätze der vorherge­hen­den Jahre 2003 und 2004 mit der Pfer­de­pen­sion zur Besteuerung nach den all­ge­meinen Regeln optieren kön­nen (§ 24 Abs. 4 UStG). Die in den Umsatzs­teuer-Erk­lärun­gen liegende Option­serk­lärung sei ver­spätet abgegeben wor­den und daher unwirk­sam.
Die Finanzrichter in Mün­ster haben jedoch entsch­ieden, dass die Besteuerung des Pfer­de­pen­sions­be­triebs des Klägers ent­ge­gen der Annahme des Finan­zamtes in den Stre­it­jahren 2003 und 2004 nicht den Durch­schnittssätzen nach § 24 UStG, son­dern den all­ge­meinen Regeln des Umsatzs­teuerge­set­zes unter­liege, weil der Kläger mit der Pen­sion­spfer­de­hal­tung keine land­wirtschaftliche Leis­tung im Sinne des § 24 UStG erbracht habe.
Bei der vom Kläger betriebe­nen Pen­sion­spfer­de­hal­tung stell­ten die von ihm gegenüber den Ein­stellern erbracht­en Leis­tun­gen (Unter­bringung der Pferde, Ver­sorgung der Tiere wie Füt­terung und Tränken, son­stige Betreu­ung der Pferde, Gewährleis­tung der Möglichkeit der Nutzung der Anla­gen durch die Ein­steller) ein Leis­tungs­bün­del dar und waren als ein­heitliche son­stige Leis­tung zu beurteilen. Der Kläger erbrachte keine land­wirtschaftliche Leis­tung gemäß § 24 UStG. Die Umsätze unter­la­gen wed­er der Durch­schnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG noch dem ermäßigten Steuer­satz gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 3 UStG. Auch stand dem Kläger für die erziel­ten Umsätze kein Wahlrecht nach § 24 Abs. 4 UStG zu.

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