Nach­dem sich die Finanzver­wal­tung lange Zeit nicht über ein­heitliche Abgren­zungskri­te­rien,
ins­beson­dere was die Min­dest­größe eines Forst­be­triebes bet­rifft, ver­ständi­gen kon­nte und die
Recht­sprechung sich immer wieder mit dem The­ma befassen musste, hat das Bun­desmin­is­teri­um für
Finanzen (BMF) nun­mehr mit Schreiben vom 18.05.2018 ein­heitliche Abgren­zungskri­te­rien bekan­nt
gegeben.
Eine forstwirtschaftliche Tätigkeit erfordert dabei grund­sät­zlich eine geschlossene, mit Forstpflanzen
bestock­te Grund­fläche, auf der nahezu auss­chließlich Bau­marten mit dem Ziel ein­er langfristi­gen
Holzent­nahme erzeugt wer­den. Sofern eine Gewin­nerzielungsab­sicht beste­ht, reicht ertrag­s­teuer­lich das
Eigen­tum an ein­er forstwirtschaftlichen Fläche von 1 ha für die Annahme ein­er betrieblichen Tätigkeit.
Die Prü­fung der Gewin­nerzielungsab­sicht erfol­gt im Wesentlichen auf dem Gebi­et der
Tat­sachen­würdi­gung, im Rah­men dessen wird die Total­gewin­nprog­nose gen­er­a­tionsüber­greifend über
den Zeitraum der durch­schnit­tlichen Umtrieb­szeit des im Forstwirtschafts­be­trieb vorherrschen­den
Baumbe­stands vorgenom­men Eine betriebliche Tätigkeit liegt auch dann vor, wenn der Steuerpflichtige
ohne eigene Bewirtschaf­tungs­maß­nah­men durch den natür­lichen Baumwuchs an der Fruchtziehung
beteiligt ist und dadurch einen Gewinn erzielt.

Zum notwendi­gen Betrieb­sver­mö­gen eines Forstwirtschafts­be­triebs gehören im Eigen­tum eines
Steuerpflichti­gen ste­hende forstwirtschaftliche Flächen, die sich nicht in zu großer räum­lich­er Ent­fer­nung
vom Betrieb befind­en. Die Betrieb­sver­mö­gen­seigen­schaft der Forstflächen geht nicht durch eine
Nutzungsüber­las­sung an einen Drit­ten oder durch Flächen­ver­ringerung ver­loren. Ein Wech­sel zur
Lieb­haberei erfol­gt nur in den Fällen, in denen mit den verbleiben­den Flächen kein steuer­lich­er
Total­gewinn mehr erzielt wer­den kann. Tritt der Fall ein, liegt in diesen Fällen keine Betrieb­sauf­gabe
vor, vielmehr müssen die stillen Reser­ven geson­dert fest­gestellt wer­den. In diesem Fall hat der
Unternehmer ein Wahlrecht (jed­erzeit) die Betrieb­sauf­gabe zu erk­lären, die zu ein­er Ver­s­teuerung der
im Zeit­punkt des Über­gangs zur Lieb­haberei vorhan­de­nen stillen Reser­ven führt.
Anders als zum Beispiel bei einem reinen Acker­baube­trieb, kön­nen auch einzelne Flächen inner­halb
eines forstwirtschaftlichen (Teil-)Betriebs das Merk­mal eines selb­ständi­gen Teil­be­triebs erfüllen. Es
genügt, wenn von einem Forstare­al eine räum­lich zusam­men­hän­gende Wald­fläche von ein­er Größe
abge­tren­nt und über­tra­gen oder veräußert wird, die der Erwer­ber als selb­st­ständi­ges, lebens­fähiges
Forstre­vi­er fort­führen kann. Dies ermöglicht es z.B. Teil­flächen eines größeren Forstare­als als Teil­be­triebe
unent­geltlich (ohne Aufdeck­ung stiller Reser­ven) auf ver­schiedene Kinder zu über­tra­gen.