Das Finanzgericht Mün­ster (FG) hat sich in seinem Urteil vom 28.6.2018 – 6 K 845/15 G, F mit der Frage der Nutzungs­dauer ein­er Bio­gasan­lage auseinan­derge­set­zt. Die Klägerin ging bei ein­er im Jahr 2011 fer­tiggestell­ten und im sel­ben Jahr auch in Betrieb genomme­nen Bio­gasan­lage von ein­er
Nutzungs­dauer von 8 bis 20 Jahren – je nach Bestandteil der Bio­gasan­lage – aus. Im Rah­men ein­er Betrieb­sprü­fung waren die Betrieb­sprüfer der Auf­fas­sung, dass die Bio­gasan­lage in den Gewin­ner­mit­tlun­gen der Klägerin für die Stre­it­jahre unzutr­e­f­fend abgeschrieben wor­den sei.
Grund­sät­zlich seien für die Berech­nun­gen der AfA-Beträge (Abset­zung für Abschrei­bung) die amtlichen AfA-Tabellen der Finanzver­wal­tung maßgebend. Danach betrage die betrieb­s­gewöhn­liche Nutzungs­dauer aller im Zusam­men­hang mit der Bio­gasan­lage genutzten Wirtschafts­güter jew­eils 16 Jahre. Die Klägerin wehrte sich gegen die infolgedessen geän­derten Steuerbeschei­de. Das FG kam zu dem Ergeb­nis, dass das Finan­zamt zu Unrecht davon aus­ge­gan­gen sei, dass die Kom­po­nen­ten,
aus denen die Bio­gasan­lage der Klägerin zusam­menge­set­zt ist, ein­heitlich über 16 Jahre abzuschreiben sind.
Bei ein­er Bio­gasan­lage han­dele es sich um ein Wirtschaftsgut im Sinne ein­er nicht teil­baren Ein­heit, das aus mehreren unselb­ständi­gen Kom­po­nen­ten zusam­menge­set­zt sei. Die Nutzungs­dauer wird
bes­timmt durch den tech­nis­chen Ver­schleiß, die wirtschaftliche Entwer­tung sowie rechtliche Gegeben­heit­en, welche die Nutzungs­dauer eines Gegen­stands begren­zen kön­nen. Die tech­nis­che Nutzungs­dauer umfasst den Zeitraum, in dem sich das Wirtschaftsgut tech­nisch ver­braucht. Auf­grund der schnellen tech­nis­chen Entwick­lung von Bio­gasan­la­gen kon­nte lediglich von ein­er Nutzungs­dauer von 10 Jahren aus­ge­gan­gen wer­den (Nichtzu­las­sungs­beschw­erde unter Az. IV B
50/18).