Eine gen­er­a­tio­nenüber­greifende Total­gewin­nprog­nose unter Ein­beziehung des un ent­geltlichen Recht­snach­fol­gers kommt bei einem Land­wirtschafts­be­trieb in Betra­cht, wenn der aktuell zu beurteilende Steuerpflichtige infolge umfan­gre­ich­er Investi­tio­nen die wirtschaftliche Grund­lage des späteren Erfol­gs in Form von pos­i­tiv­en Einkün­ften bei seinem unent­geltlichen Recht­snach­fol­ger gelegt hat. Dies gilt zugle­ich betrieb­süber­greifend auch dann, wenn der Land­wirtschafts­be­trieb
zunächst unter Nießbrauchsvor­be­halt an die näch­ste Gen­er­a­tion über­tra­gen wird. Die Total­gewin­nprog­nose ist dann ungeachtet der Entste­hung zweier land­wirtschaftlich­er Betriebe für einen fik­tiv­en kon­so­li­dierten Land­wirtschafts­be­trieb zu erstellen. So lautet die Entschei­dung des Bun­des­fi­nanzhofs (BFH) vom 23.10.2018 – VI R 5/17.
Im zugrunde liegen­den Sachver­halt ist der Kläger Alleinerbe sein­er 2008 ver­stor­be­nen Ehe­frau. Die Eheleute über­nah­men vom Brud­er des Klägers im Jahr 1986 einen land­wirtschaftlichen Betrieb mit Acker­bau und Milchkuh­hal­tung sowie Mast- und Zucht­be­trieb für Schweine und Rinder, den sie zunächst fort­führten. Seit 1997 betrieben sie auf dem Gelände eine land­wirtschaftliche Pfer­de­pen­sion. Hierzu errichteten sie eine Rei­thalle mit 32 Pfer­de­box­en sowie eine Führan­lage. Später ent­stand ein weit­er­er Gebäudekom­plex mit Pfer­de­box­en, zudem ein Strohlager und eine Maschi­nen- bzw. Werkzeughalle, ein Heulager und zwei Lauf­ställe für junge Pferde sowie eine weit­ere Rei­thalle. Um die Anlage herum
befind­en sich Betrieb­s­flächen mit Grün­land, das für die Heuerzeu­gung als Pfer­de­fut­ter ver­wen­det wird.
Im April 2000 übertru­gen der Kläger und seine Ehe­frau im Wege der vor­weggenomme­nen Erb­folge u. a. die land- und forst wirtschaftlich genutzten Grund­stücke sowie den Betrieb auf ihren Sohn B und behiel­ten sich für fünf Jahre ein Nießbrauch­srecht vor. Das Finan­zamt führte für
die Jahre 2002 bis 2004 im Jahr 2006 eine Prü­fung durch mit dem Ergeb­nis, dass hin­sichtlich der „Wirtschaftlichkeit des Betriebes “ dieser besten­falls bei ein­er Betrieb­s­dauer von 45 Jahren zu einem aus­geglich­enen Ergeb­nis gelan­gen könne. Es erließ daraufhin geän­derte Einkom­men­steuer­fest­set­zun­gen für 2002 bis 2004 ohne Ansatz der Ver­luste aus Land- und Forstwirtschaft, da es die Gewin­nerzielungsab­sicht verneinte, weil auf die zeitlich begren­zte Einkun­ft­squelle „Nießbrauch“ abzustellen sei.
Der BFH ist der Mei­n­ung, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finan­zamts die
Total­gewin­nprog­nose gen­er­a­tio­nenüber­greifend unter Ein­beziehung des Recht­snach­fol­gers zu erfol­gen hat und nicht auf die Ver­lust­phase während der Zeit des fün­fjähri­gen Nießbrauchs zu beschränken ist. Die hier­nach gebotene gen­er­a­tio­nen- und betrieb­süber­greifende Betra­ch­tung
führt dazu, dass in die Total­gewin­nprog­nose sämtliche Betriebe einzubeziehen sind. Soweit während der Zeit der Nießbrauchs­bestel­lung zwei Betriebe existieren, sind diese im Rah­men der Total­gewin­npro­gose fik­tiv zu kon­so­li­dieren. Dies hat jedoch lediglich zur Folge, dass
etwaige Leis­tungs­beziehun­gen zwis­chen diesen Betrieben zur Ermit­tlung eines Total­gewinns eli­m­iniert wer­den.

Die Vorin­stanz hat­te aus­ge­führt, es könne nicht fest­gestellt wer­den, dass die Pfer­de­pen­sion nach ihrer Wesen­sart und der Art ihrer Bewirtschaf­tung auf die Dauer gese­hen nicht nach­haltig mit Gewin­nen arbeit­en könne. Eine belast­bare Schätzung unter Zugrun­dele­gung der bere­its ange­fal­l­enen Ver­luste, der kün­fti­gen Ertragsen­twick­lung sowie eines (fik­tiv­en) Veräußerungs oder Auf­gabegewinns hat­te die Vorin­stanz nicht vorgenom­men.
Der BFH hat dem Finanzgericht im zweit­en Rechts­gang aufgegeben zu prüfen, ob der Pfer­de­pen­sions­be­trieb in der Lage sei, die aufge­laufe­nen Ver­luste durch kün­ftige Gewinne zu kom­pen­sieren und ins­ge­samt einen Total­gewinn zu erzie­len.